[{"data":1,"prerenderedAt":219},["ShallowReactive",2],{"posts":3},[4],{"id":5,"title":6,"body":7,"category":201,"coverImage":202,"date":203,"description":204,"extension":205,"meta":206,"navigation":207,"path":208,"seo":209,"status":210,"stem":211,"tags":212,"__hash__":218},"blog\u002Fblog\u002F2026-07-28-when-users-finish-your-design.md","Wenn Nutzer dein Design fertigstellen",{"type":8,"value":9,"toc":191},"minimark",[10,23,39,42,47,62,65,68,71,75,87,90,94,97,109,112,116,119,131,134,138,141,148,152,155,158,181,185,188],[11,12,13,14,22],"p",{},"Vor ein paar Wochen hat mir YouTube ein Video empfohlen, das mich nicht mehr\nlosgelassen hat: Kate Canales' TED-Talk über die\n",[15,16,21],"a",{"href":17,"rel":18,":target":20},"https:\u002F\u002Fwww.youtube.com\u002Fwatch?v=5CvlKCBrPHI",[19],"nofollow","\\_blank","versehentliche Brillanz von provisorischen Hinweisschildern",".\nDarin zeigt sie Fotos von Schildern, die irgendjemand irgendwo aufgehängt hat,\nweil das ursprüngliche Design nicht intuitiv genug war. \"Push then pull.\" \"This\nis a light switch.\" \"Use other door.\" Kleine, oft mit Klebeband befestigte\nKorrekturen der Realität.",[24,25,26,33],"figure",{},[11,27,28],{},[29,30],"img",{"alt":31,"src":32},"","\u002Fimg\u002Fblog\u002Fmakeshift-signs.png",[34,35,36],"figcaption",{},[11,37,38],{},"Bilder aus Kates Talk",[11,40,41],{},"Kate, selbst Designerin und Dozentin, sieht darin längst nicht nur schlechtes\nDesign. Sie sieht Menschen, die nachträglich retten, was im ersten Entwurf\nnicht aufgegangen ist — und nennt die Schildermacher selbst Designer. Als ich\nden Talk sah, kam mir das seltsam vertraut vor: Solche Schilder waren mir schon\nMonate zuvor aufgefallen — genau dort, wo meine eigene Arbeit auf echte Menschen\ntrifft.",[43,44,46],"h2",{"id":45},"meine-arbeit","Meine Arbeit",[11,48,49,50,55,56,61],{},"Ich selbst arbeite als Software-Entwickler bei der Stadt München. Zusammen mit\nmeinem Team entwickeln und betreiben wir die ",[15,51,54],{"href":52,"rel":53},"https:\u002F\u002Fgithub.com\u002Fit-at-m\u002Feappointment",[19],"Software der\nOnline-Terminvereinbarung",". Termine\nlassen sich bequem über ",[15,57,60],{"href":58,"rel":59},"https:\u002F\u002Fstadt.muenchen.de\u002Fbuergerservice\u002Fterminvereinbarung.html",[19],"muenchen.de","\nbuchen, manche Dienstleistungen können (oder müssen) jedoch auch direkt vor Ort\ngebucht werden. Bei letzterer Variante kommt ein sogenanntes Kiosk-Terminal zum\nEinsatz: ein Gerät mit Touchscreen und Ticketdrucker, an dem ohne vorherige\nOnline-Buchung spontan ein Termin gezogen werden kann. Ergänzt wird das Ganze\ndurch Aufrufmonitore in den Wartebereichen, auf denen die aufgerufenen Nummern\nerscheinen.",[11,63,64],{},"So weit, so gut.",[11,66,67],{},"Zumindest auf dem Papier. Als Entwickler sieht man den Alltag der Nutzung vor\nallem über Tickets, Logs und Feature-Requests — selten über den Warteraum\nselbst. Hinzu kommt, dass unsere Kunden (neben den Bürger*innen) die Referate\nder größten Kommunalverwaltung Deutschlands sind: Zwischen dem Frust am Schalter\nund dem Ticket in unserem Backlog liegt eine Hierarchie, die vieles abfedert,\nbevor es bei uns ankommt. Erst in diesem Jahr haben wir uns im Team vorgenommen,\nbei den verschiedenen Kunden kleine Hospitationen vor Ort zu machen: zuschauen,\nwie die Software wirklich genutzt wird, und wo es noch hakt. Als wir vor ein\npaar Monaten einige Abteilungen besucht haben, zeigte sich ein Bild, das in\nkeinem Ticket stand: Überall hingen Schilder.",[11,69,70],{},"Hier mal meine persönlichen Highlights:",[43,72,74],{"id":73},"schild-1","Schild 1",[24,76,77,82],{},[11,78,79],{},[29,80],{"alt":31,"src":81},"\u002Fimg\u002Fblog\u002Fsign-example-1.jpg",[34,83,84],{},[11,85,86],{},"Man kann die Frustration förmlich greifen.",[11,88,89],{},"Eine klare und unmissverständliche Botschaft im Befehlston: Es soll gefälligst\nnur einmal auf die gewünschte Dienstleistung geklickt werden. Wir Entwickler\nwissen dank unserer Testgeräte, dass der Druckvorgang ein paar Sekunden dauern\nkann. Jemand, der das Gerät womöglich zum ersten Mal bedient, ist da schon etwas\nungeduldiger. Für uns war dieses Schild ein Hinweis darauf, ein entsprechendes\nFeedback in die UI zu integrieren, das signalisiert, dass die Wartenummer gerade\ngedruckt wird.",[43,91,93],{"id":92},"schild-2","Schild 2",[11,95,96],{},"Oder wie wäre es hiermit?",[24,98,99,104],{},[11,100,101],{},[29,102],{"alt":31,"src":103},"\u002Fimg\u002Fblog\u002Fsign-example-2.jpg",[34,105,106],{},[11,107,108],{},"Eine fehlende Übersetzung ins Englische. Das Hinweisschild hilft aus.",[11,110,111],{},"Hier scheint es lediglich darum zu gehen, die angebotene Dienstleistung auch in\nenglischer Sprache auszuweisen. Unsere Software kann Mehrsprachigkeit. Uns wurde\njedoch nie gemeldet, dass sie für diesen Standort benötigt wird. Wären wir nicht\nvor Ort gegangen, hätten wir dies nie in Erfahrung gebracht. Außerdem scheint\nes, als hätte der oder die Schöpferin dieses Schilds deutlich mehr Wert auf\nÜbereinstimmung mit dem Corporate Design gelegt.",[43,113,115],{"id":114},"schild-3","Schild 3",[11,117,118],{},"Hier ein weiteres Beispiel, das fast schon einer Benutzeranleitung gleicht:",[24,120,121,126],{},[11,122,123],{},[29,124],{"alt":31,"src":125},"\u002Fimg\u002Fblog\u002Fsign-example-3.jpg",[34,127,128],{},[11,129,130],{},"Das Hinweisschild kompensiert, was unser Design nicht im Stande war zu\nvermitteln.",[11,132,133],{},"Die Intention hinter diesem Schild besteht darin, Menschen mit bestehender\nOnline-Buchung davon abzuhalten, zusätzlich eine Wartenummer auszudrucken —\nsonst stünde man plötzlich mit zwei Terminen da. Auch das ist eine Situation,\nauf die wir im Team nie gekommen wären. Für uns war immer glasklar, dass\nTerminkunden (die online gebucht hatten) nie auf die Idee kämen, vor Ort nochmal\neine Wartemarke zu drucken.",[43,135,137],{"id":136},"noch-eins","Noch eins",[11,139,140],{},"Zu guter letzt ein Schnappschuss, der zwar nichts mit unserer Software zu tun\nhat, aber ganz gut verdeutlicht, dass das Aufhängen von Schildern in\nöffentlichen Verwaltungen gang und gäbe ist.",[24,142,143],{},[11,144,145],{},[29,146],{"alt":31,"src":147},"\u002Fimg\u002Fblog\u002Fsign-example-4.jpg",[43,149,151],{"id":150},"die-erkenntnis","Die Erkenntnis",[11,153,154],{},"Für jemanden wie mich, der bürgernahe Software baut, sind Aushilfsschilder nicht\nnur \"liebvolle, menschliche Problemlösung\", wie es Kate ausdrückt. Vielmehr\nsind sie die ehrlichsten Bug-Reports, die man je bekommt — sofern man bereit\nist, vor Ort zu gehen, zu beobachten und mit den Menschen dort zu sprechen.",[11,156,157],{},"Ein paar Dinge sind mir besonders hängengeblieben:",[159,160,161,169,175],"ol",{},[162,163,164,168],"li",{},[165,166,167],"strong",{},"Schilder sind Symptome, keine Ursachen:"," Ein Zettel an der Wand ist fast\nnie ein Zeichen dafür, dass die Menschen \"zu dumm\" sind. Er ist ein\nunübersehbarer Indikator dafür, dass die Software oder der Prozess an dieser\nStelle nicht intuitiv ist.",[162,170,171,174],{},[165,172,173],{},"Die Logik beim Programmieren schlägt selten die Realität im Warteraum:","\nBeim Entwickeln denkt man in Systemzuständen, Datensätzen und sauberen\nKlickpfaden. Menschen in der Behörde handeln unter Stress, Zeitdruck oder\nUnsicherheit. Der logischste Ablauf bringt nichts, wenn er in der echten Welt\nnicht verstanden wird.",[162,176,177,180],{},[165,178,179],{},"Das echte Design sitzt oft vor Ort:"," In den Dienststellen wartet niemand,\nbis das nächste Softwarerelease die Probleme löst. Man löst sie sofort — mit\nLaminiergerät, Tesafilm und Edding. So gesehen könnte man die Hinweisschilder\nauch als kostenlose, hochgradig valide Prototypen erachten.",[43,182,184],{"id":183},"und-jetzt","Und jetzt?",[11,186,187],{},"Kate beginnt ihren Talk mit der Absicht, Beispiele für schlechtes Design zu\nsammeln — endet aber mit einer anderen Erkenntnis: Für sie sind die Schilder\nvor allem Belege dafür, dass wir einander in der echten Welt noch brauchen, um\nganz einfache Dinge hinzubekommen (\"Muss ich an der Tür drücken oder ziehen?\").\nJemand hat sich die Zeit genommen, Hinweise zu hinterlassen, damit es der\nnächsten Person ein bisschen leichter fällt als einem selbst. Ich finde diesen\nGedanken schön, aber für mich als jemand, der die Software hinter diesen\nSchildern tatsächlich schreibt, reicht er nicht ganz aus. Ich kann mich nicht\ndamit zufriedengeben, dass vor Ort unsere Lücken mit Tesafilm gekittet werden.",[11,189,190],{},"Was sich seitdem bei uns geändert hat, ist eigentlich ganz simpel: Wir gehen\njetzt öfter raus. Ein Nachmittag im Warteraum erzählt uns mehr über unsere\nSoftware als ein Quartal voller Tickets. Die Schilder waren dabei kein\nVorwurf an uns, sondern eher eine Einladung. Jemand hat sich die Mühe\ngemacht, ein Problem so genau zu beschreiben, dass es mit einem Blatt\nPapier und etwas Klebeband gelöst werden konnte. Das Mindeste, was wir tun\nkönnen, ist, diese Beschreibung zu lesen und dafür zu sorgen, dass beim\nnächsten Mal kein Schild mehr nötig ist.",{"title":31,"searchDepth":192,"depth":192,"links":193},2,[194,195,196,197,198,199,200],{"id":45,"depth":192,"text":46},{"id":73,"depth":192,"text":74},{"id":92,"depth":192,"text":93},{"id":114,"depth":192,"text":115},{"id":136,"depth":192,"text":137},{"id":150,"depth":192,"text":151},{"id":183,"depth":192,"text":184},"Essay","\u002Fimg\u002Fblog\u002Firritating-sign.jpg","2026-07-31","Vor ein paar Wochen hat mir YouTube ein Video empfohlen, das mich nicht mehr\nlosgelassen hat: Kate Canales' TED-Talk über die\nversehentliche Brillanz von provisorischen Hinweisschildern.\nDarin zeigt sie Fotos von Schildern, die irgendjemand irgendwo aufgehängt hat,\nweil das ursprüngliche Design nicht intuitiv genug war. \"Push then pull.\" \"This\nis a light switch.\" \"Use other door.\" Kleine, oft mit Klebeband befestigte\nKorrekturen der Realität.","md",{},true,"\u002Fblog\u002F2026-07-28-when-users-finish-your-design",{"title":6,"description":204},"published","blog\u002F2026-07-28-when-users-finish-your-design",[213,214,215,216,217],"software","usability","design","ux","public-sector","QjYk6J55H6yKyVqu1NX2Fl91NkndUgnprjoU9x7VXBQ",1785520357863]